Willkommen zum zweiten Teil zum Thema Esoterik, in dem wir uns vor allem mit Beispielen der modernen esoterischen Bewegungen befassen wollen. Falls ihr den ersten Teil des Beitrags noch nicht gelesen habt, holt dies doch gerne erstmal nach.
Kommen wir also jetzt zu ein paar echten „Klassikern“ der esoterischen Strömungen aus genau dieser Zeit. Der Ausgangspunkt für die moderne, westliche Esoterik wird oft mit Henry Steel Olcott und Helena Petrovna Blavatsky in Verbindung gebracht. Sie gründen 1875 die Theosophische Gesellschaft in New York City. Dabei ist zu beachten, dass der Begriff der Theosophie für diese esoterische Lehre von den gleichnamigen, tausenden Jahren alten religiösen Denkansätzen übernommen wurde, diese aber unbedingt getrennt betrachtet werden müssen. Olcott und Blavatsky sehen sich beide in Kontakt mit spirituellen „Meistern“, die sie mit der Gründung der Theosophischen Gesellschaft beauftragten. Besonders Blavatsky, die viel auf Reisen war, hat sich in ihren Schriften bei antiken ägyptischen, indischen und fern-östlichen Religionen bedient. Hier liegt ein weiterer großer Kritikpunkt der Esoterik: Viele der Lehren beinhalten rassistische, koloniale und aneignende Denkmuster und gehen selten respektvoll mit den Kulturen und Religionen um, an denen sie sich bedienen. Besonders in den High Societies von Nordamerika und Europa hatte das Christentum ein ödes Image, sodass die neuen und „exotischen“ Religionen dagegen schick und spannend wirkten. Dieser koloniale, westliche Blick durchzieht die Gesellschaft der Zeit auf allen Ebenen und so auch in der Esoterik. Und genau wie diese Denkmuster bis heute Teil der Gesellschaft sind, bleiben sie ebenso auch in esoterischen Strömungen bis heute erhalten.

Eine weitere schillernde Persönlichkeit der Esoterik ist Aleister Crowley, der sich selbst als großen Magier insbesondere der „Sexualmagie“ verstand. Und auch vor 100 Jahren galt schon, ähnlich wie heute: Sex Sells. Er präsentiert sich in auffälliger Kleidung, mit penetrantem Körpergeruch und Eigenarten wie dem Anspitzen seiner Eckzähne, je krasser desto besser. Sein Leben und auch seine Lehren scheinen ein einziger, großer Tabu-Bruch gegen das Prüde viktorianische Zeitalter zu sein und radikales Anderssein der Schlüssel zur Erfüllung. Crowley selbst ist in einer wohlhabenden und streng christlichen Familie aufgewachsen, die gleichzeitig stark an einen bevorstehenden Weltuntergang glaubte. Es ist anzunehmen, dass diese Erziehung entscheidend für die späteren, extremen Entwicklungen und Ansichten von Aleister Crowley sind. Auf ihn gehen außerdem einige Schreibweisen wie „Magick“ statt Magic zurück. Ironischerweise dienten sie ihm damals zur Abgrenzung, während sie sich heute in der Szene der Menschen die laut eigenen Angaben Magie praktizieren quasi einheitlich durchgesetzt hat.

In eine ganz andere Richtung hingegen steuerte Rudolph Steiner. Seine Karriere in der Esoterik begann zunächst im deutschen Ableger der Theosophischen Gesellschaft, mit der er jedoch brach und seine eigene Bewegung gründete: Die Anthroposophie. Er orientiert sich wesentlich stärker an christlichen und konservativen Werten und den philosophischen Ausführungen von großen deutschen Denkern wie Goethe oder Nietzsche. An seinen Lehren orientieren sich noch heute Konzepte wie die Waldorfschule oder das Lebensmittel Siegel demeter. Doch besonders Steiner und seine Lehren sind heute extrem kritisch zu betrachten: Sie enthalten sehr menschenfeindliche, rassistische und antisemitische Ansichten. Es ist hier ein guter Punkt zu erwähnen, dass besonders in Deutschland aber auch weltweit esoterische Bewegungen immer wieder Überschneidungen ins rechte und rechtsextreme Gedankengut haben. Es ist kein Zufall, dass auf den Demos im Zuge der Corona Pandemie neben den scheinbar naturverliebten und netten Esoterikern auch Männer mit Springerstiefeln und Reichsflaggen marschierten. Und auch Bewegungen wie die „Germanische Neue Medizin“ verbinden Esoterik mit Rechtsextremismus. Fehlende Abgrenzung trägt aktiv zur Normalisierung von rechtem Gedankengut innerhalb esoterischer Gruppen bei und sollte deshalb konsequent kritisiert werden.
Die letzte Person der wir uns heute widmen ist Carl Gustav Jung, den wir vor allem als Schüler Freuds und einen der Begründer der analytischen Psychologie. Was viele Menschen nicht wissen ist, dass Jung eine der populärsten Figuren der Esoterik im 20. Jahrhundert ist. Er entwickelte zum Beispiel die psychologischen Typen, die versuchen Menschen in introvertiert, extravertiert und zusätzlich nach Denken, Fühlen, Intuition und Empfinden zu kategorisieren. Auf diesem Konzept basiert lose der Myers-Briggs Persönlichkeitstest. Und jetzt müsst ihr ganz stark sein: Die Entwickler dieses Tests hatten keinerlei psychologischen oder wissenschaftlichen Hintergrund und selbst Jung lehnte ihre Arbeit ab. Im Grunde ist der MBTI Test nicht viel mehr akkurat, als ein Blick in euer aktuelles Horoskop.

Das führt uns zum letzten und vielleicht populärsten Zweig der Esoterik: Die Astrologie. Sie basiert auf Jahrtausenden alten Lehren und Denkansätzen. Besonders in Verbindung mit Tarot und hellseherischer Magie erfreut sie sich bis heuter großer Beliebtheit. Dieses Thema ist so groß und breit gefächert, dass es durchaus sinnvoll wäre, einen eigenen Beitrag dazu zu schreiben.
Hier wollen wir unseren Ausflug zum Thema Esoterik vorerst beenden. Habt ihr Fragen, Anmerkungen oder Feedback? Lasst es mich gerne wissen! Außerdem freue ich mich über ein Abo für den Blog oder wenn ihr den Beitrag mit euren Freunden teilt.
Vielen Dank fürs Lesen und bis zum nächsten Mal!



















