An English translation of this article is available here.
Das Thema des heutigen Beitrags wurde mir auf Threads vom User ‚lepe2018‘ vorgeschlagen, vielen Dank dafür! Wir steigen damit ein, uns die Beschreibungen und Definitionen physikalischer Felder genauer anzusehen. Dazu gibt es ein kleines bisschen Mathematik und ein Anwendungsbeispiel. Danach schauen wir uns die Sätze von Gauß und Stokes an. Diese sind etwas fortgeschrittener und wenn ihr vor diesem Artikel noch keine Berührungspunkte mit dem Thema hattet, steigt ihr eventuell nicht direkt durch. Das ist total in Ordnung und ich versuche wie immer die Themen möglichst anschaulich zu erklären, aber macht euch nichts draus, falls ihr es nicht versteht! Der erste Teil des Beitrags ist ohne Vorwissen zugänglich, erst danach wird es etwas komplizierter.
So viel zur Vorrede, jetzt beginnen wir mit dem eigentlichen Beitrag. Physikalische Felder sind ein Vielfältiges Thema und ziehen sich durch alle Fachrichtungen der Physik. Grundsätzlich ist das Ziel, eine bestimmte physikalische Größe in ihrer Umgebung zu beschreiben. Das kann zB die Temperatur in einem Raum oder das Gravitationsfeld der Erde sein. Das Feld und seine Umgebung beeinflussen sich gegenseitig. Wenn ich die Heizung im Raum andrehe, verändert sich die Temperatur und wenn ich einen Gegenstand loslasse, fällt er durch die Gravitation zu Boden.
Felder lassen sich in skalar und vektoriell unterteilen. Ein Skalarfeld ordnet jedem Raumpunkt eine einzelne Größe in Form einer Zahl zu (das nennt man einen skalaren Wert). Das Beispiel dazu wäre hier der Raum mit der Temperatur: Direkt bei der Heizung ist es etwas wärmer, am Fenster vielleicht kühler. Wir könnten jeden Punkt abmessen und eine Zahl in Grad Celsius zuordnen. Das wäre unser Temperatur Feld. Ähnlich wäre es zB mit Luftdruck, der Dichte eines Materials oder elektrischen bzw Gravitations-Potentialen. Ein Vektorfeld ordnet jedem Raumpunkt einen Vektor zu. Das kann man sich anschaulich als einen Pfeil vorstellen. Die Länge des Pfeils gibt die Stärke des Feldes in diesem Punkt an. Außerdem hat ein Vektor, genau wie ein Pfeil immer eine bestimmte Richtung. Der Gegenstand den ich loslasse, fällt immer in Richtung des Feldes, also nach unten. Zwei elektrische Ladungen stoßen sich immer ab und auch eine Meeresströmung ist unterschiedlich stark und fließt in eine bestimmte Richtung.
Man kann Felder und ihre Eigenschaften mathematisch und physikalisch über den Nabla Operator beschreiben. Je nachdem wie man ihn anwendet, betrachtet man andere Eigenschaften.
Wende ich den Nabla Operator auf ein Skalarfeld an, berechne ich die Änderung des Feldes in die drei Raumrichtungen. Das ist der sogenannte Gradient und eine vektorielle Größe. Klingt erstmal kompliziert, wir schauen uns also mal ein Beispiel an: Stellt euch vor, ein Mensch steht im Winter draußen. Wir benutzen eine Wärmekamera um ein Bild zu schießen und sehen darauf die Temperatur des Menschen und seiner Umgebung farblich dargestellt. Weil es nur ein Foto ist, haben wir hier ein zweidimensionales Skalarfeld. Der Gradient gibt an, wie sich die Temperatur in alle Richtungen ändert. Das nennt man auch Wärmefluss. Die Wärme fließt von warm nach kalt und der Mensch friert. Außerdem ist der Wärmefluss dort besonders groß, wo eine große Änderung der Temperatur ist. Also genau an der Grenzfläche von Mensch zur Umgebung. Der Wärmefluss ist umso größer, je kälter er draußen ist und umso mehr friert auch der Mensch. Der Nabla-Operator macht also aus einer Zahl einen Vektor
Es geht aber auch genau anders herum: Wenn ich den Nabla-Operator auf ein Vektorfeld anwende, bekomme ich eine Skalarzahl heraus, die Divergenz. Diese Zahl beschreibt die Quellen und Senken des Feldes und besteht aus der Summe der Ableitungen. Wenn wir also den Wärmefluss des Feldes haben und wiederum dessen Änderung anschauen, sehen wir an welchen Stellen eine Wärmequelle sitzt. In diesem Fall ist der Mensch die Quelle des Wärmeflusses, die kalte Umgebung eine Senke.
Eine weitere wichtige Eigenschaft eines Vektorfeldes ist die Rotation. Diese erhält man, wenn man den Nabla Operator als Kreuzprodukt auf das Vektorfeld anwendet. Die Rotation gibt Verwirbelungen im Feld an, zB sehr anschaulich wenn man sich Wind oder Meeresströmungen ansieht und ist ebenso eine vektorielle Größe. Wichtig ist auch, sich zu überlegen wie sich diese drei Größen (Rotation, Divergenz und Gradient) untereinander verhalten. Die Rotation des Feldes ist immer frei von Quellen und Senken, die Divergenz also null. Genauso ist die Rotation des Gradienten auch null. Dies lässt sich sowohl mathematisch als auch physikalisch über die Energieerhaltung überlegen.
Hier seht ihr nochmal abschließend die drei Definitionen, die ich euch gerade vorgestellt habe. Das kleine f bezeichnet ein Skalarfeld, das große F ein Vektorfeld:

Dazu kommen jetzt einige Beispiele, allerdings ohne eine bestimme Größe. Das Skalarfeld ist farblich codiert. Der Gradient zeigt entlang der Farbverläufe. Bei den Vektorfeldern sehen wir direkt Unterschiede: Feld (a) ist homogen, alle Pfeile zeigen in die gleiche Richtung und sind gleich lang. Feld (b) hat eine Senke in der Mitte, auf die alle Pfeile zeigen und ist stärker, je näher wir an die Mitte kommen. Feld (c) hat Quellen und Senken außerhalb des Bildausschnitts, während Feld (d) keinerlei Quellen und Senken aufweist, sondern ein reines Rotationsfeld ist.


Jetzt schauen wir nochmal etwas weiter auf kompliziertere Fälle. In der Elektrostatik sowie der Magnetstatik zB beschäftigen wir uns mit verschiedenen Feldern, sowohl skalar, als auch vektoriell. Die Sätze von Gauß und Stokes geben uns die Möglichkeit mittels Divergenz und Rotation zwischen Volumen-, Flächen-, und Kurven-Integration zu wechseln. Das machen wir, um unsere Rechnungen zu vereinfachen, je nachdem was wir gegeben haben.
Wir beginnen mit dem Satz von Gauß und stellen uns folgende Situation vor: Wir haben eine positive Ladung. Diese ist die Quelle eines elektrischen Feldes. Doch wie viel Ladung haben wir? Wir legen einen unsichtbaren Kasten um die Ladung, berechnen an jedem Punkt im Kasten die Divergenz des vorhandenen Feldes und addieren sie auf. Das entspricht rechnerisch einem Volumenintegral. Der Gauß’sche Satz besagt nun Folgendes:

Statt also die Divergenz im ganzen Volumen zu addieren, reicht es sich anzusehen, wie sich das elektrische Feld an den Außenseiten des Kastens verhält. Wir können alle Feldbeiträge ansehen, die den Kasten verlassen, diese entsprechen den Quellen innerhalb des Kastens. Dazu kommen alle Beiträge die in den Kasten strömen, also Senken innerhalb des Kastens. Das entspricht einem Flächenintegral über einen geschlossene Fläche. Beide Integrale, also ein Volumenintegral über die Divergenz, sowie das Flächenintegral über das Feld selbst geben das gleiche Ergebnis. Welchen Weg man geht, ist also egal. Wenn man ein konkretes Problem vor sich hat, ist aber meist ein Weg leichter.
Ganz ähnlich funktioniert der Satz von Stokes. Wir stellen uns einen geraden Leiter vor, durch den Strom fließt. Dieser erzeugt ein Magnetfeld, welches kreisförmig um den Leiter fließt. Es hat keine Quellen und Senken, sondern es handelt sich im ein reinen Rotationsfeld. Doch wie stark ist es? Weil es senkrecht um den Leiter steht, reicht es sich eine Fläche statt eines Volumen anzusehen. Wie legen also ein zweidimensionales Rechteck um das Feld und addieren alle Beiträge der Rotation auf. Das ist ein Flächenintegral. Der Satz von Stokes sagt nun aus:

Wir können also statt über die ganze Fläche zu integrieren nur das Feld selbst über den geschlossenen Rand des Rechtecks integrieren. Das ist ein Kurvenintegral über eine geschlossene Kurve. Alle „innenliegenden“ Beiträge verschwinden, genau wie beim Satz von Gauß. Das ist im folgenden Bild nochmal visualisiert. Die gegenläufigen Pfeile heben sich auf und nur die auf dem Außenrand bleiben über.

Auch hier gilt: Beide Wege führen ans Ziel, oft ist aber auch hier ein Weg einfacher.
Der Satz von Gauß und der von Stokes sind sich also im Grunde sehr ähnlich. Mathematisch vereinfachen sie die jeweiligen Ausdrücke um eine „Ebene“, einmal von Volumen auf Fläche und von Fläche auf Kurve. Die jeweiligen Beiträge Innenflächen des Volumen sowie die Innenkurven der Fläche heben sich gegenseitig auf. Das ist die wichtigste Erkenntnis der beiden Sätze. Die Integration dann durchzuführen ist reine Übungssache.
Ich danke euch fürs Lesen bis hier hin und wünsche euch besonders viel Erfolg beim Lernen, falls die Inhalte für euch relevant sind! ✨🫶
Wie immer freue ich mich auf euer Feedback, Abos und wenn ihr die Beiträge mit Freunden teilt. Ich wünsche euch Frohe Weihnachten, schöne Feiertage und einen Guten Rutsch ins Neue Jahr!













