Frage sucht Antwort

Endecke die Welt der Wissenschaft!

Hallo und Herzlich Willkommen. Das Ziel dieses Blogs ist das Aufbauen einer Gemeinschaft von Menschen, die sich für Wissenschaft begeistern und sich „Fake-News“ und „Alternativen Fakten entgegen stellen. Und ganz nebenbei lernen wir alle hier spannende und neue Dinge. Klingt gut? Dann viel Spaß!

Hier könnt ihr bequem nach Themen suchen, die euch interessieren:

  • Mykologie – Physikerin im Pilzfieber (Teil 1)

    Einige von euch wissen es schon: In diesem Semester mache ich einen Abstecher in die Biologie und besuche den Kurs Ökologie sowie den Grundkurs Pilze. Das kommt daher, dass besonders im Masterstudium wert darauf gelegt wird, den Horizont zu erweitern und sich auch mit (in meinem Fall) nicht-physikalischen Fächern zu beschäftigen. Diese Wahl fiel mir tatsächlich leicht, denn mein Interesse für beide Themen ist groß und der Professor der beide Veranstaltungen hält genießt einen sehr guten Ruf. Ich möchte euch hier in nächster Zeit immer mal wieder Updates geben, was ich vor Allem im Grundkurs Pilze gelernt habe, denn das Thema ist extrem faszinierend! Um den Kurs zu besuchen habe ich ein paar Basics an Mikroskopierbedarf besorgt. Falls euch meine Beiträge gefallen und ihr mich gerne dabei unterstützen möchtet, schaut doch gerne bei meinem Ko-fi Account vorbei, einer digitalen Kaffeekasse. Dadurch helft ihr mir Besorgungen wie zB für diesen Kurs machen zu können. Vielen Lieben Dank dafür!

    Momentan befinden wir uns noch im Beginn des Semesters und haben uns eher allgemein dem Thema genähert. So gehören Pilze neben Tieren und Pflanzen zu den drei großen Gruppen der Lebewesen. Mit groß ist hier zum Teil tatsächlich Größe aber auch Komplexität gemeint, denn auch Bakterien sind natürlich Lebewesen, unterscheiden sich aber nochmal wesentlich von den drei genannten Gruppen. Und hier wartete direkt ein erster interessanter Fakt: Tatsächlich sind sich Pilze und Tiere ähnlicher, als jeweils den Pflanzen. So ähneln sich zum Beispiel Stoffwechsel und Fortpflanzung auf einer gewissen Ebene bei Tieren und Pilzen mehr als jeweils den Pflanzen.

    In der ersten Woche haben wir uns dann Champignons angeschaut, um mit dem Mikroskopieren warm zu werden. Die anderen Studis hatten bis jetzt vor Allem Pflanzen untersucht, eine Pilzzelle ist jedoch um ein Vielfaches kleiner als eine Pflanzenzelle und erfordert so zB den Einsatz einer 1000x Vergrößerung inklusive Immersionsöl, welches die Leistung des Mikroskops verbessert. Die Strukturen, die wir betrachten, befinden sich also im Mikrometer-Bereich (eine Übersicht der wissenschaftlichen Größenverhältnisse findet ihr hier).

    Ich habe leider versäumt selbst Fotos der Champignon-Hyphen zu machen, deshalb habe ich euch eine Zeichnung herausgesucht, die das Prinzip verdeutlicht. Das was wir als Pilz wahrnehmen ist der „nur“ der Fruchtkörper, also ein kleiner Teil des ganzen Lebewesens. Der ganze Pilz besteht im wesentlichen aus sogenannten Hyphen, also fadenförmigen Zellen. Alle Hyphen zusammen bilden das Mycelium:

    Hyphen und Mycelium. Credit im Foto und hier

    Diese ziehen sich durch den meist im Boden liegenden Teil und die Fruchtkörper des Pilzes.

    In der zweiten Woche haben wir uns die Basidiomyceten angeschaut, also die Pilze, welche ihre Sporen in Basidien bilden. Circa 30% aller bekannten Pilze gehören dazu, darunter viele Speisepilze. Die Schicht in der die Pilze die Sporen bilden heißt Hymenium. Dort enden die fadenförmigen Hyphen und den bereits erwähnten Basidien. Diese haben 4 Zacken, die Sterigmata, an deren Enden Sporen wachsen und freigegeben werden. Hier seht ihr den Aufbau schematisch:

    Quelle

    Wir haben uns den Eichen-Zystidienrindenpilz angeschaut. Die Zystiden seht ihr auch eingezeichnet im Schema, diese werden wir uns aber erst später im Kurs genauer anschauen. Um uns diese Struktur genauer anzusehen, machen wir einen hauchdünnen Schnitt und präparieren in mit KOH Lösung. Anschließend wird mit Phloxin gefärbt, damit die Strukturen überhaupt sichtbar werden. Unter dem Mikroskop sieht das dann so aus:

    Eigene Abbildung.

    Das dichte Geflecht aus Hyphen und Cystiden, die das Hymenium bilden ist kaum optisch entwirrbar. In rot habe ich euch jeweils drei Basidien markiert, an deren Enden ihr sehr schön die Sterigmata sehen könnt (weil die Zelle dreidimensional ist, kann man nicht immer alle vier sehen). Sporen waren hier leider nicht sichtbar, das ist schade aber gehört natürlich dazu, wenn man praktisch wissenschaftlich arbeitet: Die Realität ist selten so schön wie ein Schema.

    Ich freue mich schon darauf, den Kurs fortzuführen und euch zu berichten! Stellt mir gerne eure Fragen und schickt Themenvorschläge für zukünftige Beiträge. Ich würde mich außerdem sehr über ein Abo von euch freuen. Abonnieren, Teilen und Liken sind der beste Weg für euch, mich mit diesem Projekt zu unterstützen und ich bin super dankbar für eurer Interesse ❤

  • Der Gender Gap in den Wissenschaften – Wie können wir ihn reduzieren?

    Frauen die in wissenschaftlichen Berufen arbeiten, erfahren systematische Diskriminierung und Benachteiligung. Dazu gibt es zahlreiche Studien und Untersuchungen. In der Vergangenheit habe ich zum Beispiel diesen Beitrag dazu geschrieben und einige der Erkenntnisse erklärt. In dem heutigen Beitrag möchte ich mich darauf fokussieren, wie wir gesellschaftlich den Gender Gap im Bezug auf die MINT Fächer reduzieren können.

    Doch zunächst nochmal ein paar Hard Facts: Auch in dieser Studie aus 2020 finden die Autor:innen Mei-Hung Chui und Mark Cesa heraus, dass über alle untersuchten Disziplinen hinweg Frauen 5 – 10 mal so häufig sexuelle Belästigung erleben als Männer. Frauen geben auch häufiger an, dass ihre eigene Karriere langsamer verläuft als die ihrer Kollegen und das private Entscheidungen wie Elternschaft, Ehe oder Partnerschaft durch die Karriere negativ beeinflusst wurden oder anders herum: Dass die privaten Entscheidungen einen negativen Einfluss auf die eigenen Karriere haben.

    Die große Frage, die auch ihr euch vielleicht schon gestellt habt, ist: Was kann ich konkret dagegen tun? Wie können wir Diskriminierung und Benachteiligung von Frauen mindern? Es ist wichtig, die Gleichberechtigung auf allen Ebenen zeitgleich zu verbessern. Es braucht also sowohl Maßnahmen für die Frauen, die bereits in dem Bereich arbeiten, ebenso für Studierende aber auch für Schüler:innen, um ihnen später einen Einstieg und gute Arbeitsbedingungen zu ermöglichen.

    Viele Kinder werden noch bevor sie überhaupt sprechen können bereits mit Geschlechter-Stereotypen konfrontiert und verinnerlichen diese. Das gilt auch im Bezug auf MINT Fächern, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Wenn Kinder dann in die KiTa oder den Kindergarten gehen haben Mädchen im Vergleich zu Jungs bereits weniger Selbstvertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse. Das hat mich persönlich sehr erschüttert. Denn die Forschung zeigt auch: Wer selbst überzeugt ist in bestimmten Bereichen schlecht abzuschneiden und das immer wieder gespiegelt bekommt, ist dann tatsächlich auch schlechter darin. Es ist also ein Teufelskreis: Bereits unbewusst wird Mädchen sehr früh signalisiert, dass sie zB nicht so gut mit Bauklötzen oder Lego bauen können, nicht mit Autos oder Dinosauriern spielen sollen oder sich nicht draußen im Matsch dreckig machen sollen. Das resultiert darin, dass Mädchen ihre Interessen dem Anpassen und immer weniger darin gefördert oder verstärkt werden. Und das wiederum festigt das Bild der Eltern, dass sie wohl scheinbar einfach kein Interesse darin hätten und sowohl das Bild als auch das Verhalten festigt sich immer weiter.

    Noch vor der Schule, noch bevor Kinder tatsächlich mit Mathe oder Sachkunde konfrontiert werden, denken Mädchen also bereits, dass sie darin nicht gut seien. Und in der Schulzeit geht es dann meist leider nahtlos so weiter. Denn auch Lehrkräfte haben Geschlechter Stereotype internalisiert und trauen Mädchen weniger in den MINT Fächern zu. Kein Wunder also, dass der Frauenanteil in diesem Fächern so gering ist. Aber was können Eltern, Erzieher:innen oder Lehrkräfte jetzt konkret tun?
    Die vielleicht wichtigste Erkenntnis, die sich durch Untersuchungen auf allen Ebenen zieht ist, dass Gleichberechtigung alle angeht und deshalb auch alle etwas dafür tun müssen. Die Förderung von Mädchen ist keine „Frauensache“ und es braucht die Mithilfe von Männern, also denen die durch die patriarchalen Strukturen profitieren. Väter, Erzieher und Lehrer sind in der Pflicht sich darum zu kümmern.

    Weil Kinder die Stereotype bereits so unfassbar früh verinnerlichen, ist es extrem wichtig auch besonders früh etwas dagegen zu tun. Beim Spielzeugkauf oder der Kleidung zum Beispiel gibt es eine große Vielfalt, die hilt es zu nutzen. Auch bei den Büchern die man kleinen Kindern vorliest ist es sehr wichtig darauf zu achten nicht auf Stereotype zurückzufallen. „Soll mein kleines Mädchen also jetzt nie wieder mit Puppen spielen oder pink tragen?“ Das wäre Quatsch. Aber Eltern bieten ihren Kindern meist unbewusst genau das Spielzeug an, was stereotyp zum Geschlecht des Kindes passt. Lass dein Kind sich lieber selbst aussuchen, mit was es spielen möchte, biete ihm verschiedenes an. Auch in der KiTa und im Kindergarten sollten Erzieher:innen darauf achten, den Kindern zu ermöglichen mit dem Spielzeug zu spielen, auf das sie eben Lust haben. Und auch bei der frühkindlichen Förderung ist es wichtig die Kinder unabhängig ihres Geschlechts zu fördern bzw einer eventuell schon bestehenden Unsicherheit von Mädchen zu MINT Themen gegenzusteuern. Ermutige deine Kinder Fragen zu stellen, neugierig zu sein und ihre Fähigkeiten auf dem Gebiet zu verbessern.

    In der Schule gilt dann ein ähnliches Prinzip. Wenn du merkst, dass dein Kind geschlechtsspezifische Unsicherheiten aufweist, solltest du ihm so gut es geht helfen diese zu überwinden. Das ist teilweise einfacher, als gedacht. Eines der wirksamsten Mittel um Mädchen zu ermutigen sich mit Naturwissenschaften zu beschäftigen ist, einfach nur zu berichten welche Wissenschaftlerinnen es gibt und welche wichtige Errungenschaften sie geleistet haben. Alleine diese Präsenz und Repräsentation hat super große Wirkung auf Kinder!

    Und ganz wichtig ist natürlich auch: Kinder, sowohl Mädchen als auch Jungs sollten sich frei entfalten können und in ihren Interessen bestärkt werden. Wenn also am Ende des Tages deine Kinder doch sehr stereotype Interessen entwickeln, bist du nicht „Schuld“ und die Interessen deiner Kinder sind nicht „schlecht“ oder „falsch“. Statistik und Individualität sind zwei Paar Schuhe! Das ist sehr wichtig zu verstehen: Wir wollen die Geschlechter-Stereotype insgesamt abbauen, aber das bedeutet nicht, dass jedes Kind ein 50/50 Interesse an ‚typisch männlichen‘ oder ‚typisch weiblichen‘ Dingen haben soll.
    Eure gute Intention als Eltern ist der erste und wichtigste Schritt. Und glücklicherweise sind die meisten Eltern in meiner Bubble da schon super dabei, das freut mich extrem zu sehen! Vielleicht konnte ich euch mit diesem Beitrag noch ein paar Tipps und Denkanstöße mitgeben ❤

    Weitere Infos zu dem Thema findet ihr unter anderem hier zusammengefasst.

  • Ultrakurze Laserpulse – Wie kann man sie herstellen und wozu benötigt man sie?

    Ich habe diese Woche mein letztes reguläres Physikmodul hinter mich gebracht und möchte euch heute ein paar Basics aus der Vorlesung mitbringen. Es geht um Ultrakurze Laserpulse, ein sehr spannendes Forschungsthema mit vielen möglichen Anwendungen. Wie der Name schon vermuten lässt, geht es um extrem kurze Laserpulse, deren Länge im Pico oder Femtosekundenbereich liegt. Das entspricht 10^-12 bzw. sogar 10^-15 Sekunden! Falls euch das nichts sagt, könnt ihr in diesem Beitrag nochmal nachlesen, wie wissenschaftliche Größenordnungen funktionieren.

    Ein Laser kann durchgehend betrieben werden, ein Laserpointer zB ist ein kontinuierlicher Laserstrahl. Eine kleine Wiederholung zum Thema Laser mit generellen Erklärungen findet ihr hier. Man kann aber eben auch Laserpulse erzeugen. Aber, wozu? Generell gilt: Möchte ich einen sehr kleinen Gegenstand genau anschauen, brauche ich eine noch kleinere bzw feinere Größenskala, um die Details abzubilden. Möchte ich ein extrem kurzes Ereignis abbilden, brauche ich ein noch kürzeres Ereignis um den Verlauf korrekt darzustellen. Möchte man zB eine Bewegung fotografieren, muss die Belichtungszeit der Kamera kürzer als die Bewegung selbst sein, um ein scharfes Bild zu erhalten. Das wird über den Verschluss am Objektiv erreicht. Mache ich dann viele Bilder schnell hintereinander, kann ich die gesamte Bewegung anhand der Bilderstrecke erkennen. So hat Eadweard Muybridge im Jahr 1878 eindeutig zeigen können, dass ein Pferd im Galopp tatsächlich für einen kurzen Moment mit allen vier Hufen den Boden verlässt:

    The Horse in Motion, Muybridge (1878)

    Die Bewegung von Molekülen und auch chemische Reaktionen laufen so schnell ab, dass eben genau diese Ultrakurzen Laserpulse im Femtosekundenbereich nötig sind, um sie darzustellen. Dazu werden meist „Pump-Probe“ Experimente genutzt. Ein Pump-Strahl löst das gewünschte, zu beobachtende Ereignis aus. Der Probe-Strahl wird dann zeitversetzt darauf gerichtet und „beobachtet“ das Ereignis so zu verschiedenen Zeitpunkten. Das Ergebnis ist äquivalent zu einer Bilderstrecke, nur eben für zB chemische Reaktionen.
    Ein möglicher Anwendungsbereich ist zB die Medizin: Man kann mit einem Laser Gewebe untersuchen und anhand der Messwerte erkennen, ob es sich um normales Gewebe oder zB Tumorgewebe handelt. Der gleiche Laser kann, in einem anderen Modus betrieben, eben dieses Tumorgewebe dann zerstören. Man kann aber natürlich auch einfach „nur“ beobachten und den Laser somit als eine Art sehr präzises 3D Mikroskop verwenden. Weitere Anwendungen liegen in ebenso sehr präziser Materialbearbeitung auf der Nano-Ebene, die immer relevanter für die Entwicklung von neuer Technik wird.

    Vergleich von Materialbearbeitung durch Standard Laserpulse vs durch ultrakurze Laserpulse. (Quelle)

    Die zweite große Frage des Beitrags ist natürlich, wie man solche Laserpulse herstellen kann. Denken wir wieder an das Beispiel der Kamera und der Belichtungszeit, könnten wir uns eine Art Schalter vorstellen, der extrem schnell den Laser an und aus schaltet. Und sehr grob gefasst, gibt es dieses Konzept in Form des sogenannten Q-Switchings. Diese können typischerweise Pulse im Nanometer-Bereich erzeugen. Das ist für uns aber immernoch viel zu lang! Wir möchten nochmal einige Größenordnungen kürzere Pulse erzeugen, eine Femtosekunde ist nämlich nur ein Millionstel einer Nanosekunde (man kann sich im Grunde überhaupt gar nicht vorstellen wie klein das tatsächlich ist). Um Femtosekunden-Pulse zu erzeugen, wird das Prinzip des Mode-Locking ausgenutzt. Innerhalb des Lasers befinden sich zahlreiche „erlaubte“ Frequenzen, die sogenannten Moden. Erlaubt bedeutet, dass sie stehende Wellen im Laser-Resonator bilden. Beim Mode-Locking haben diese Wellen eine feste Phase zueinander. Das führt dazu, dass an einem Punkt alle Wellenmaxima genau am gleichen Punkt liegen und der Laserstrahl dort punktuell eine hohe Intensität hat, drumherum aber nicht. Und genau das ist ein Laserpuls. Je mehr Moden gekoppelt werden, desto kürzer wird der Puls und desto höher sein Intensitätsmaximum.

    Demonstration des Mode-Locking: Haben die Moden den genau richtigen Abstand bilden sie kurze Pulse mit hoher Intensität. Je mehr Moden, desto kürzer und intensiver der Puls. (Quelle)

    Bei Millionen von gekoppelten Moden kann die Leistung im Peak des Laserpulses bis zu 40 GW entsprechen. Zum Vergleich, ein Atomkraftwerk liefert Leistungen von 1-2 GW. Weil der Puls aber so unvorstellbar kurz ist, ist die verbrauchte Energie am Ende aber nicht hoch und kann in standardmäßigen Labors betrieben werden. Dennoch müssen die optischen Bauteile wie Linsen, Filter, Spiegel und Detektoren extrem robust sein, um den hohen Intensitäten Stand zu halten.
    Falls euch dieser Beitrag gefällt, überlege ich in einem zweiten Beitrag mehr auf zB diese optischen Bauteile einzugehen und wie man die Ultrakurzen Laserpulse zusätzlich modifizieren kann um gewünschte Eigenschaften hervorzurufen. Habt ihr Intresse daran, darüber etwas zu Lesen? Dann lasst mich das doch gerne Wissen!

  • Science 101: Wie entsteht eine Sonnen bzw eine Mondfinsternis?

    Es zieht uns auch diese Woche heraus ins All und wir möchten uns heute zwei sehr bekannte Phänomene genauer ansehen. Die beiden großem Gestirne an unserem Himmel, Sonne und Mond können sich in seltenen Fällen verfinstern.

    Der Grund hierfür liegt, ganz allgemein gefasst in der Position von Sonne, Mond und Erde zueinander. Wir beginnen mit der Mondfinsternis: Das Licht der Sonne fällt auf die Erde und diese wirft einen Schatten. Bewegt sich der Mond hinter der Erde entlang ist üblicherweise Vollmond, er wird nämlich genauso von der Sonne angestrahlt und wir sehen in ganz. Wenn er sich allerdings im richtigen Winkel befindet, wandert er durch den Schatten den die Erde wirft und wir beobachten eine Mondfinsternis. Da der Kernschatten nur einen kleinen Teil des ganzen Schattens ausmacht, wird es aber doch die meiste Zeit ein klein wenig beleuchtet und erscheint uns dadurch rot.

    2D Schema Mondfinsternis (Quelle)

    Im Falle der Sonnenfinsternis ist es umgekehrt. Der Mond bewegt sich in diesem Fall vor der Erde entlang, also zwischen Erde und Sonne und wirft seinerseits einen Schatten. Besonders hier ist der Winkel und auch der Abstand zur Erde sehr entscheidend, denn der Schatten des Mondes ist natürlich viel kleiner, als der der Erde. Es ist überhaupt eine große Laune der Natur, dass die Größenverhältnisse und Abstände von Sonne, Mond und Erde ein solches Ereignis überhaupt ermöglichen. Selten aber dennoch, trifft also manchmal der Schatten des Mondes auf die Erdoberfläche und erzeugt so in diesem Gebiet der Erde eine Finsternis. Diese kann komplett oder nur anteilig bzw partiell sein. Manchmal wird nur ein Teil der Sonne bedeckt oder der Mondschatten reicht nicht ganz bis zur Erde. In letzterem Fall wird die Sonne zu einem sogenannten Feuerring.

    2D Schema Sonnenfinsternis (Quelle)

    Die komplexen Bewegungen aller drei Himmelskörper im dreidimensionalen Raum sind der Grund, warum diese Ereignisse, insbesondere die Sonnenfinsternis so selten sind.

    Da sind wir auch schon am Ende dieses kurzen und knackigen Beitrags … Egal ob ihr heute etwas Neues gelernt oder Altes Wissen aufgefrischt habt, ich freue mich wenn ihr den Beitrag teilt oder etwas Liebe da lasst!

  • Travel – Blog: Ein Ausflug in das Wildkatzendorf in Hütscheroda

    Auf dem Heimweg der kleinen Flitterwochen haben mein Mann™ und ich einen letzten Zwischenstopp im Hainich gemacht. Dort wurde vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ein Wildkatzendorf errichtet. Bereits seit den 90ern gibt es in Thüringen Bemühungen die Wildkatze zu schützen, indem ihr Wanderverhalten untersucht wird. Das daraufhin gegründete „Rettungsnetz Wildkatze“ soll die Bedrohung der Tiere durch Straßen, Landwirtschaft und Urbanisierung lindern. Das Wildkatzendorf ist vor allem für die Sensibilisierung von Politik und Gesellschaft gedacht.

    Doch zunächst einige Erklärungen zur Wildkatze selbst:
    Die bei uns heimische Europäische Wildkatze ist eine von vier Wildkatzenarten. Neben ihr gibt es die asiatische, die südafrikanische und die afrikanische Wildkatze. Letztere wird auch Falbkatze genannt und ist der Vorfahre unserer Hauskatzen. Alle haben gemeinsam, dass sie in Größe und Aussehen unseren bekannten Hauskatzen grundsätzlich recht ähnlich sind. Das Fell der europäischen Wildkatze ist braun-grau getigert, wie das vieler Stubentiger. Doch im Detail merkt man die Unterschiede: Die Wildkatze ist generell etwas stämmiger gebaut und hat viel dichteres und dickeres Fell. Ihr Schwanz ist wesentlich buschiger und charakteristisch geringelt, mit einer schwarzen Spitze am Ende. Auch die Fußsohlen sind schwarz, ebenso wie der Aalstrich auf dem Rücken. Der größte Unterschied zur Hauskatze liegt jedoch eindeutig in ihren Wesenszügen. Während einige Falbkatzen vor circa 9000 Jahren bemerkten, dass die menschlichen Getreidespeicher ein All-You-Can-Eat Buffett an Mäusen darstellen und die Zweibeiner sie nur zu gerne vergöttern (buchstäblich), hält die europäische Wildkatze immernoch großen Abstand zum Menschen. Der kleine Kuder Emil (so werden männliche Wildkatzen genannt) zB toleriert die Anwesenheit der Tierpflegerin die ihn füttert nur unter knurren und fauchen und auch nur so lange bis die Schüssel leer ist. Wildkatzen sind äußert scheu und meiden uns Menschen, und das ist ust auch gut so. Direkte und indirekte Handlungen der Menschen sind die größte Bedrohung für die geringen Populationen in den deutschen Wäldern.

    Emil demonstriert warum es „Wild“katze heißt.

    Das Rettungsnetz Wildkatze hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Tieren ihre verlorenen Lebensräume zumindest teilweise zurückzugeben. Nicht alle Waldstücke eignen sich, damit Wildkatzen dort leben können. Sie sind meist durch Straßen und Felder getrennt, welche für Wildkatzen unüberwindbar sind. Um die Wanderschaft und damit die Stabilität der Population zu gewährleisten, werden grüne Korridore aus Bäumen und Sträuchern angelegt, durch die die Wildkatzen in andere Gebiete wandern können. Dieses Vorgehen ist effektiv und trägt massiv zu Erholung der Bestände in Deutschland bei. Es ist deshalb auch weder notwendig noch erwünscht, die Tieren in Einrichtungen wie dem Wildkatzendorf zu züchten. So kommt es, dass dort 5 stattliche Kuder wohnen. Findet ihr Carlo auf dem Bild?

    Der alter Herr der Truppe: Carlo hält als einziger für ein Foto still

    Neben dem Wildkatzen gibt es auch Luchse. Hier sieht es anders aus: Der Bestand ist extrem gering und die Populationen in Europa sind sehr isoliert. Luchse brauchen nochmal wesentlich größere Reviere und können nicht so einfach zur Wanderschaft durch grüne Korridore bewegt werden, es braucht hier also den Eingriff der Menschen. Luchse werden gezüchtet und direkt im Wildkatzendorf über ein mehrstufiges Auswilderungsgehege auf ihre Zukunft ohne Menschen vorbereitet. Nicht nur die park-eigene Aufzucht sondern auch aus anderen Anlagen kommen Tiere für den Auswilderungsprozess dort hin. Klappt alles, werden sie in Europa verteilt, sodass die genetische Vielfalt sichergestellt wird. Manchmal lässt es sich allerdings nicht vermeiden, dass die Tiere sich zu sehr an den Menschen gewöhnt haben und nicht ausgewildert werden können. In diesem Fall werden sie in andere, ähnliche Anlagen übergesiedelt.

    Sowohl die Wildkatze als auch der Luchs sind extrem wichtig für ein gut funktionierendes Ökosystem. Gleiches gilt auch für andere Beutegreifer wie den Wolf. Ein Beispiel dafür ist die Rehpopulation. Bis heute ist ein Argument „für“ die Ausrottung von Luchsen und Wölfen, dass sie uns Menschen das schmackhafte Wild streitig machen würden. Wenn das an sich nicht schon absurd genug klingt, sollte sich das Jagdverhalten der Tiere genauer ansehen: Sie erlegen gezielt ältere, schwache und vor allem kranke Rehe. Das verhindert, dass sich Krankheiten innerhalb der Herde ausbreiten oder sogar an den Nachwuchs weitergegeben werden. Zu viel Reh-Nachwuchs hindert außerdem junge Bäume am Wachsen und stört so auch das Ökosystem Wald. Diese Probleme sind eine beliebte Begründung von Jägern, warum der menschliche Eingriff in die Rehpopulation unbedingt nötig ist. Genauso oft behaupten die gleichen Menschen aber auch die Ansiedlung von Luchs und Wolf sei nicht sinnvoll. Diese veralteten Denkmuster gibt es leider immernoch, sie werden aber zum Glück weniger. Die Daten und Fakten der erfolgreichen Aussiedlungs- und Wiederansiedlungsgeschichten wie der des Wildkatzendorf Hütscheroda sprechen für sich.

    Ich hoffe wie immer dieser kleine Einblick hat euch gefallen und ich plane zeitlich wieder in einen wöchentlichen Beitrags-Rhythmus zurückzukommen. Die möglichen Themen haben sich über den Sommer ganz schön angehäuft, daran sollte es also nicht mangeln!

  • Finger weg von Fitline – Anti Schwurbel Coaching

    Auf Social Media begegnen sie uns ständig: Menschen die vermeintlich ganz harmlos mal ein wenig Kritik am Gesundheitssystem üben wollen, die von „persönlich Erfahrungen“ berichten, bei denen sie erzählen, wie viel besser ihnen doch natürliche Mittelchen bei teils schwerwiegenden Erkrankungen geholfen hätten und immer wieder eintrichtern, man solle doch mal den Link in der Bio anklicken um mehr zu erfahren.

    Zum Teil handelt es sich um selbsternannte Coaches die dir für teuer Geld irgendwelche Kurse andrehen wollen. Aber oft beginnt es viel subtiler. Es wird berichtet von Nahrungsergänzungsmitteln, Eiweißshakes und sonstigen Pulvern, die den Menschen auf wundersame Weise zu mehr Gesundheit und Lebensqualität verholfen hätten. Schon vor Corona ist das Versprechen nach Verbesserung der Gesundheit ein Renner, doch durch die Pandemie und die damit verbunde Angst, evtl sogar Verlust und Schmerz eröffnen sich ganz neue Zielgruppen. Und ganz nebenbei hätte sie sich damit auch ein finanzielles Standbein aufbauen können: Ganz gemäß dem Prinzip „komm in die Gruppe“ wird nicht nur ein Produkt, sondern gleich eine ganze Firma und deren Marketing angepriesen.

    Ganz vorne mit dabei ist zB PM International mit der Marke FitLine. Auf gut besuchten Messen verkauft die Firma nicht nur ihre Produkte und wirbt neue Mitglieder, vielmehr gibt sie versprechen an Menschen mit dem vermeintlich richtigen „Mindset“. Die, die es im System geschafft haben, präsentieren ein Leben in Saus und Braus auf ihren Social Media Kanälen und werben fast schon aggressiv neue Mitglieder und betonen immer wieder, dass es jeder hierhin schaffen könne.
    Das ganze geht so weit, dass zB die Hamburger Handelskammer die Abhängigkeit im diesen Netzwerken als „sektenähnlich“ bezeichnet. Wir befinden uns in einer Grauzone: Bei FitLine bzw PM International handelt es sich um Multi-Level-Marketing System. Man kauft also die Produkte und verkauft sie für mehr Geld. Das ist legal. Durch das Anwerben neuer Mitglieder verdienen sie zusätzlich an deren Umsätzen mit. Das allein ohne den Verkauf der eigentlich Produkte wäre illegal. FitLine darf keine irreführende Werbung machen und den Mitgliedern nicht den Eindruck geben, das Anwerben neuer Mitglieder sei die primäre Strategie, um Geld zu verdienen. Was der Konzern nach außen hin propagiert und was hinter vorgehaltener Hand alle wissen, kann jedoch sehr unterschiedlich sein. Rechtlich also legal, moralsich mindestens verwerflich.

    Aber auch das mit der irreführenden Werbung müssen wir uns nochmal genauer anschauen: PM International weist die Mitglieder strikt darauf hin, was erlaubt ist und was nicht. Sie dürfen keine Heilsversprechen geben, die Mittel nicht bewerben als seien es Medikamente. Doch die Reglementierungen für Nahrungsergänzungsmittel sind lasch und manche Verkäufer halten sich schlichtweg nicht daran. Die Verbraucherzentrale ordnet die FitLine Produkte hier ein. Viele der Produkte bestehen zum größten Teil aus Zucker, enthalten Koffein, Süßstoffe und viele synthetische Inhaltsstoffe. Bei Einnahme mehrerer Produkte, insbesondere wenn kein tatsächlicher Mangel vorhanden ist, besteht die Gefahr einer Überdosierung von zB bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen oder Wechselwirkung mit Medikamenten.

    Es ist im Grunde wie immer: Wenn es zu schön klingt, um wahr zu sein, ist es vermutlich einfach nicht wahr. Besonders Menschen in schwierigen Lebenssituationen sind anfällig für die Versprechen der Marke und der Verkäufer. Dazu kommt, dass oft im eigenen Umfeld geworben wird. Wenn du dich also eh schon gesundheitlich nicht gut fühlst oder evtl finanzielle Schwierigkeiten hast und dann ein Freund oder eine Nachbarin dir von dieser scheinbar tollen Marke erzählt, liegt die Versuchung nah, sich hineinziehen zu lassen.
    Mein Fazit steht jedoch bereits in der Überschrift dieses Beitrags: Finger weg von FitLine und co.

    Sind euch auf Social Media auch schon solche MLM-Systeme untergekommen?

  • Science 101 – Warum wir manchmal kollektiv schlechte Entscheidungen treffen: Das Abilene Paradoxon

    Dieser Beitrag ist eher kurz und ein kleiner Wissenschafts-Snack für zwischendurch. Ich bin darauf gekommen, als ich letzte Woche folgende Situation erlebt habe:

    Ich war letzte Woche von Mittwoch bis Samstag auf einem Festival und weil unsere Anreise nicht so lang ist, wollten wir Abends nach den letzten Konzerten nach Hause. Wir haben also überlegt: Welche ist die letzte Band die uns interessiert? Wollen wir den großen Headliner spät Abends noch sehen?
    Und da fing es an, dass wir alle ein wenig herumgedruckst haben, keiner so richtig die Entscheidung treffen wollte. So nach dem Motto „also wenn ihr die noch sehen wollt, na dann komm ich natürlich mit“. Aber eigentlich waren wir alle schon super müde, niemand hatte wirklich Interesse diese Band noch zu sehen und wir waren alle froh, noch etwas früher nach Hause zu kommen. Wir haben am Ende die Kurve bekommen und die Entscheidung getroffen, die uns allen am Besten gefällt: Früher nach Hause. Aber es hat erstaunlich lange gedauert und wir waren alle eher zögerlich die Entscheidung am Ende tatsächlich zu fällen. Wir waren drum und dran vielleicht zu einem Konzert zu gehen, auf das wir alle nicht so richtig Lust hatten.

    Woran liegt das? Vielleicht habt ihr ja selbst schonmal eine ähnliche Situation erlebt? zB wenn ihr mit euren Freunden Essen bestellen wollt. Du überlegst erstmal, was deine Freunde so mögen und schlägst Pizza vor, hast aber selbst vielleicht gar nicht so richtig Lust auf Pizza. Deine Freunde haben heute auch nicht so Lust auf Pizza, denken aber du hättest das vorgeschlagen, weil du Lust auf Pizza hast und geben ihr OK, weil sie alle denken, der ganze Rest der Gruppe hat Lust darauf. Und man selbst möchte ja nicht die eine Person sein, die Probleme bei der Entscheidungsfindung macht. Wir wollen gerne mit dem Strom schwimmen, besonders wenn es um uns Nahe Personen wie Familie und Freunde geht. Und, zumindest in diesem Beispiel, geht es ja auch immernoch nur um eine Pizza. Man denkt sich „das ist schon okay, selbst wenn ich da gerade keine Lust drauf hab“. Das Paradoxon ist: Alle haben nicht so Lust auf Pizza und sagen nichts, weil sie denken der Rest hat Lust darauf. Jeder für sich denkt „ist schon okay“ und am Ende essen alle Pizza, obwohl es für die Gruppe eigentlich eine schlechte Entscheidung ist.

    Dieses Phänomen heißt „Abilene Paradoxon“ und wurde in den 70ern von Jerry Harvey formuliert. Als Professor für BWL wendet er diesen Gedankengang zunächst für Entscheidungen in der Geschäftswelt an. Allerdings spielt das Abilene Paradoxon auch in der Soziologie bzw Psychologie eine Rolle, wenn das Gruppendenken bzw die Gruppenkommunikation zwischen Menschen untersucht wird. Es ist benannt nach der Stadt Abilene in Texas und einer Anekdote, die der Pizza-Situation ähnelt. Ein Familienmitglied schlägt einen Ausflug nach Abilene vor, nicht weil es selbst dorthin möchte, sondern weil es der Meinung ist, den anderen könnte der Vorschlag gefallen. Alle anderen haben nun selbst keine Lust, denken aber sie seien alleine mit dieser Meinung und äußern sie deshalb nicht. So macht die Familie den Ausflug und stellt abends nach der Heimkehr fest, dass alle schlecht gelaunt und mürrisch sind, weil niemand Lust auf den Ausflug hatte.

    Je nachdem, welche Art von Entscheidung ansteht, sind folgende Dinge hilfreich:
    Eine Person bestimmen, die die finale Entscheidung trifft.
    Eine Person anweisen, sich nach einer Alternative umzusehen bzw der Gruppe zu widersprechen („Teufels Advokat“, wenn diese Rolle zugewiesen wird, fällt es auch anderen leichter andere Meinungen zu äußern).
    Und im Grunde ist es immer hilfreich die eigene Meinung und die eigenen Bedürfnisse klar zu formulieren, auch wenn man befürchtet damit allein zu sein.

    Habt ihr das Abilene Paradoxon schon erlebt? Schreibt mir gerne in die Kommentare, wo es euch schonmal begegnet ist!

  • Was ist ein Schneckenkönig und was hat er mit Quantenphysik zu tun? – Chiralität

    Es ist gerade Sommer, ein etwas verregneter noch dazu und so habt ihr ja vielleicht auch dieses Jahr schon die ein oder andere Weinbergschnecke beobachten können. Ist euch dabei eventuell schonmal aufgefallen, dass sich quasi alle Schneckenhäuser der Weinbergschnecke in die gleiche Richtung, nach rechts, winden? Schätzungen zufolge hat nur etwa eine von 40.000 Weinbergschnecken ein nach links gewundenes Häuschen. Weil diese so selten sind, nennt man sie Schneckenkönig und sie sind teilweise sogar in Museen und alten Naturwissenschaftlichen Sammlungen zu sehen.

    Wie kommt es dazu, dass Weinbergschnecken mit linksgewundenen Häusern so selten sind?
    Tatsächlich ist nicht nur das Haus der Schnecke, sondern ihre gesamte Anatomie spiegelverkehrt zu den meisten anderen Schnecken angeordnet. Sie können sich deshalb auch nicht mit anderen Weinbergschnecken paaren und fortpflanzen. Eine Weitergabe der Gene ist somit kaum möglich. Allerdings gibt es mittlerweile auch Forschungsergebnisse die nahelegen, dass die Drehrichtung des Hauses der Schnecke gar nicht genetisch vererbt wird, sondern viel eher eine Art Laune der Natur in der frühen Embryonalentwicklung der Schnecke ist.

    Links der seltene Schneckenkönig, rechts die klassische Weinbergschnecke (Quelle)

    Bei den Weinbergschnecken ist also der gesamte Organismus mancher Exemplare gespiegelt. Das Prinzip der Spiegelung tritt in der Natur auf allen möglichen Ebenen auf: Bei ganzen Lebewesen, einzelnen Teilen von Organismen, aber auch auf molekularer Ebene und sogar bei Quantenteilchen.
    Der Fachbegriff hierfür lautet „Chiralität“, was sich mit dem Wort „Händigkeit“ übersetzen lasst. Unsere eigenen Hände sind nämlich bereits ein sehr gutes Beispiel für die diese fundamentale Symmetrieeigenschaft: Sie sind ihr jeweiliges Spiegelbild. Anders gesagt, können wir unsere Hände nicht allein durch Drehung überdecken, sondern müssen eine der beiden Hände umdrehen, sodass die Handflächen sich berühren. Dann liegen sie genau übereinander.

    Viele Moleküle weisen diese Spiegelsymmetrie auf. Sie bestehen aus den gleichen Bausteinen, sind aber jeweils spiegelverkehrt angeordnet. Das Interessante hierbei ist, dass die beiden Enantiomere genannten Versionen oft unterschiedliche Eigenschaften haben. Der chirale Duftstoff Carvon beispielsweise kann von der menschlichen Nase als Kümmel (S-Carvon) oder Minze (R-Carvon) wahrgenommen werden. Auch Medikamente sind oft chiral, hier können die verschiedenen Eigenschaften ernsthafte Folgen haben. Der Wirkstoff Thalidomid hat eine beruhigende, sedierende Wirkung (R-Thalidomid), löst aber auch schwere Schäden bei Föten im Mutterleib aus, wenn er von Schwangeren eingenommen wird (S-Thalidomid). In den 50ern und 60ern wurde es unter dem Namen Contergan speziell als Schlafmittel für Schwangere vermarktet, was dazu geführt hat, dass circa 5000 bis 10000 Kinder mit teils starkem Fehlbildungen auf die Welt kamen. Zusätzlich gibt es eine große Dunkelziffer an Fehl- und Totgeburten, die wohl ebenfalls durch das Medikament verursacht wurden.

    Es ist also sehr wichtig, chirale Moleküle auf vielen Ebenen gut untersuchen zu können, aber auch gegebenenfalls Stoffe in denen beide Enantiomere vorhanden sind, sauber trennen zu können. Mit dieser Forschung auf einem sehr fundamentalen, physikalischem Level beschäftigt sich zB der Sonderforschungsbereich ELCH in Kassel. Auch meine Arbeit in der theoretischen Quantenmechanik gehört dazu. So kann man zB aus der Interaktion von chiralem Licht mit chiraler Materie messbare Unterschiede für die verschiedenen Enantiomere ableiten. Das war Teil meiner Bachelorarbeit. Aktuell arbeite ich an meiner Master Thesis, in der verschiedene Wege der Ionisation im Bezug mit Chiralität untersucht werden sollen. Falls ihr dazu etwas mehr Lesen wollt, findet ihr ein Paper der Uni Kassel dazu hier.

    Auszug aus dem verlinkten Paper.

    So schnell kommen wir also von Schneckenhäusern zur Quantenphysik! Ich hoffe wie immer dieser Beitrag hat euch gefallen. Ich freue mich außerdem über Feedback und Unterstützung in Form von Abos, Likes und wenn ihr diesen Beitrag mit euren Freunden teilt.

  • Science 101: Wie funktioniert ein Laser? (+ Farbstofflaser als Beispiel)

    Über Laser denken wir heute nicht wirklich viel nach, weil sie mittlerweile überall in unserem Alltag existieren. Als Element in Bühnenshows, als Laserpointer zur Belustigung von Katzen oder in jedem CD Player finde wir diese Lichtquelle. Doch wie funktionieren sie überhaupt? Das möchte ich euch heute möglichst kurz und verständlich erklären. Danach erkläre ich euch dann ganz konkret noch das Beispiel Farbstofflaser (denn mit denen hatte ich aktuell gerade ein wenig zu tun).

    Wir fangen diesmal ganz vorne an, das Wort LASER steht für „Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation“. Und theoretisch steht da schon alles was wir wissen müssen: Es handelt sich um verstärktes Licht, welche durch stimulierte Emission von Strahlung erzeugt wird.
    Stimulierte Emission liegt vor, wenn wir ein angeregtes Atom bzw Molekül mit einem Photon bestrahlen und in Folge das Molekül relaxiert und dabei wird ein weiteres Photon emittiert. Sprich: Ein Photon rein, zwei raus. Stellen wir uns vor das ganze passiert zwischen zwei Spiegeln und die Photonen treffen immer wieder auf das sogenannte Gain Medium und vervielfältigen sich. Das ist die Grundidee eines Lasers.

    Einfacher Aufbau eines Lasers (Quelle)

    Allerdings müssen dafür die Moleküle im Gain Medium ja schon angeregt sein. Es müssen sogar mehr Elektronen innerhalb des Moleküls angeregt sein als im Grundzustand, um den Laser zum Laufen zu bringen. Diesen Zustand nennt man Besetzungsinversion. Wir müssen also erst Energie in das System reinpumpen. Das wurde früher zB mit Blitzlampen gemacht. Heute allerdings wird meistens ein zweiter, leistungsstarker Pumplaser verwendet, dessen Energie möglichst perfekt zum dem Energielevel passt, auf welches man die Elektronen bringen möchte. Die Elektronen in den Molekülen werden auf das Energielevel gepumpt und jetzt kann die stimulierte Emission gelingen. Weil ein Lasersystem aber nie aus nur zwei Energieleveln besteht, sondern über strahlungslose Energielevel Energie verloren geht, hat das Photon, das wir aus dem System gewinnen immer eine längere Wellenlänge und somit weniger Energie, als die Photonen die über den Pumplaser hereingehen. Laser sind energetisch also sehr kostspielig, haben aber tolle Eigenschaften: Die Sonne strahlt ihr Licht chaotisch, random und alle Wellenlängen auf einmal. Ein Laser hat jedoch kohärentes und meist monochromes Licht, welches für die meisten Experimente benötigt wird. Damit das Licht aber nicht nur zwischen den zwei Spiegeln immer mehr wird, ist einer der Spiegel ein wenig durchlässig, dieser nennt sich Auskopplungsspiegel. Dort kommt der eigentliche Laser Strahl heraus.

    Einfaches Energie Schema für Vier Level (Quelle)

    Ein Beispiel für Lasersysteme sind die Farbstofflaser. Die Moleküle sind komplex und haben viele Übergänge, wodurch potentiell viele Wellenlängen als Laser genutzt werden können. Man sagt, der Laser ist breitbandig. Ohne Filter wird jedoch nur eine dominante Wellenlänge verstärkt. Man kann aber einen Filter in das System einbauen, der nur eine bestimmte Frequenz bzw Wellenlänge durchlässt. Dann wird diese verstärkt. Ein solcher Lyot-Filter besteht auf einem Polarisationsfilter, sodass die Lichtwellen in genau einer Ebene schwingen. Danach kommt doppelbrechendes Glas, welches jede einzelne Wellenlänge mit einem etwas anderen Winkel schwingen lässt. Mit einem zweiten Polarisationsfilter können wir jetzt genau die Ebene einstellen, welches das Licht hat, das wir verstärken wollen. Das Ergebnis ist ein eindrucksvoll flüssiger Übergang zwischen den verschiedenen Wellenlängen die das jeweilige Farbmolekül zu bieten hat.

    Schema eines Lyot-Filter (Quelle)

    Hier findet ihr ein kleines Video von einem Farbstofflaser, welchen ich vor ein paar Wochen im Rahmen eines Experiments feinjustiert habe und den Filter teste:

    Eigenes Video

    Ich hoffe wir immer ihr findet diesen Beitrag spannend und ich konnte euch das Konzept eines Lasers näher bringen. Bitte gebt mir gerne Feedback ob ihr die Erklärungen verständlich findet oder gebt mir Tipps, was ich besser machen könnte.

    Vielen Dank! Für die nächsten Wochen habe ich schon einige gute Themen in der Pipeline, es geht wieder um Frauen in der Wissenschaft und um einige klassische Mythen mit denen ich aufräumen möchte. Bleibt also gerne dran und abonniert den Blog, darüber freue ich mich sehr!

  • Wo Klitoris? – Weibliche Anatomie im Wandel der Zeit und unter Einfluss der Gesellschaft

    Wir begeben uns heute auf eine kleine Zeitreise und schauen uns an, wie sich wissenschaftliche Beschreibungen im Laufe der Zeit ändern. Anlass dazu ist ein altes Anatomie Buch, welches ich im Frühling 2024 auf einem Flohmarkt in Freiburg erstanden habe. Der Titel lautet „Handbuch der Anatomie des Menschen“ von C. E. Bock und es stammt aus dem Jahr 1838. Es enthält Beschreibungen des menschlichen Körpers: Nerven, Organe, Gewebe und mehr. Es enthält leider keine Abbildungen, aber ich finde es dennoch extrem spannend. Als die Idee kam (durch die Community auf Threads), nach Passagen zu suchen, welche heute veraltet wirken, habe ich mich direkt auf die Suche gemacht.

    Deckblatt des Buches.

    Nun, es wirkt fast schon wie eine Fangfrage, aber: Wo sollte man wohl am besten suchen, um veraltete oder inkorrekte Darstellungen in der Anatomie zu finden? Naja, wohl bei der Beschreibung der weiblichen Anatomie. Zunächst habe ich euch eine Passage herausgesucht, welche mich nicht sonderlich überrascht hat. Bei der Beschreibung der Gebärmutter und der umliegenden Organe wie zB der Eierstöcke wird oft unterschieden zwischen Frauen, welche bereits ein Kind geboren haben und Frauen die noch nicht geboren haben. Die Bezeichnung ‚Weib‘ für eine Frau ist dabei heute definitiv veraltet und zudem negativ konnotiert. In einer neutralen, medizischen Beschreibung hätte er also nichts mehr zu suchen. Der Begriff ‚Jungfrau‘ bezieht sich hier auf eine junge Frau ohne Kinder, was Sinn ergibt wie viel enger Sexualität, Heirat und Mutterschaft vor knapp 200 Jahren noch waren. Aber auch dieser Begriff wird in unserem heutigen Sprachgebrauch seltener. Vor allem in feministischen Kreisen ist es bereits Konsens, dass ‚Jungfrau‘ ein Ausdruck einer wertenden, patriarchalen Sexualmoral gegenüber Frauen ist und seine Verwendung überdacht wird.

    Beschreibung der Eierstöcke.

    Was ich sehr interessant finde sind diese Passagen, in denen sowohl die Klitoris als auch der „G-Punkt“ bzw die „G-Zone“ anatomisch sehr genau beschrieben werden. Es scheint auch bereits eine Ahnung zu bestehen, dass beides zusammenhängt. Und tatsächlich ist dieses Buch da kein Einzelfall: In den Standardwerken der Zeit, zB auch später in dem bekannten Gray’s Anatomy (1887). Es gibt wohl auch Beschreibungen die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen, eine Zeit, in welcher die genaue Untersuchung des menschlichen Körpers geradezu geboomt hat. Wieso also haben wir den Eindruck, die Klitoris sei eine „neue“ Entdeckung? Oder wie es in Kreisen der neuen Rechten manchmal sogar heißt „eine Erfindung der Linken“?

    Beschreibung der Klitoris.
    Beschreibung des „G-Punkts“

    Zur Jahrhundertwende um 1900 wurde die Klitoris in vielen Lehrbüchern sowohl in ihren Maßen, als auch ihrer Funktion, minimiert. Teilweise wurde sie auch einfach gänzlich aus den Lehrwerken gestrichen (zB 1913 aus Gray’s Anatomy). Zur gleichen Zeit hatte die Diagnostik der sogenannten „Hysterie“ durch Freud und die Psychoanalyse einen großen Aufschwung. Die Therapieansätze waren dabei gleichermaßen verstörend wie widersprüchlich: Mal die Entfernung der Gebärmutter, mal eine Heirat inklusive Schwangerschaft. Mal sollte die Klitoris entfernt werden (was einer weiblicher Genitalverstümmelung gleich kommt), mal sollen die „leidenden Damen“ mit ärztlich angeordneten Orgsamen ruhig gestellt werden. Nicht umsonst gilt Hysterie heute als haltlos und veraltet. Die Pathologisierung weiblichen Verhaltens geht gleichzeitig mit der Mystifizierung des weiblichen Körpers einher. Das Umschreiben von Anatomiebüchern ist Ausdruck des Zeitgeists und trägt zu eben dieser Mystifizierung weiter bei. Ebenso kommen patriarchale Geschlechterrollen zum Tragen: Eine Frau soll keine eigene Sexualität haben und ist nur durch Ehe und Mutterschaft zu retten. Gleichzeitig aber muss sie dabei natürlich als Lustobjekt für den eigenen Ehepartner herhalten, wenn dieser es verlangt.

    Ihr merkt, das Themengeflecht ist komplex und wir haben schon lange den Pfad der Medizin/Anatomie verlassen. Das Beispiel der Klitoris zeigt gut, dass Wissenschaft natürlich auch immer Spielball der vorherrschenden gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen ist. Es ist umso wichtiger, der Wissenschaft Freiheit und Ressourcen zu geben, damit sie eben so neutral wie möglich sein kann. Und es ist ebenso extrem wichtig zu lernen, wie wir erkennen können, ob zB eine Studie als neutral angesehen wird, oder ob Interessenskonflikte bestehen. Studien zum Thema Umweltschutz, welche zB von Ölfirmen finanziert werden? Eher schwierig. Oder wie wir gerade in den USA sehen: Zensur bestimmter Themen oder sogar einzelner Begriffe. Der Begriff „bias“ surde zB gebannt, da er ähnlich wie bei uns das Wort „Vorurteil“ genutzt wird und Forschung dazu unerwünscht ist. Als wäre das nicht schlimm genug, ist der Begriff „bias“ aber auch ein Terminus aus der Statistik. Jede Studie die Statistik enthält wird muss nun also um die Finanzierung bangen, da automatische Wortfilter ein „gebanntes Wort“ regsitrieren.

    Es ist wichtig, dass Wissenschaftler:innen gesellschaftlichen Rückhalt haben und frei forschen können. Im Fall der Klitoris hat es tatsächlich gut 100 Jahre nach ihrem „Verschwinden“ gedauert, bis die Urologin Helen O’Connell 1998 erstmals die ganze tieferliegende Struktur anatomisch korrekt beschrieben hat.

    Ich hoffe wie immer dieser Beitrag hat euch gefallen. Ich kann mir gut vorstellen noch ein paar mehr Passagen des Anatomiebuches für zukünftige Beiträge zu nutzen, was haltet ihr davon?

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