Die Geschichte, die ich euch heute erzähle, zeigt deutlich wie abschätzig und wenig würdigend Frauen in der Wissenschaft lange Zeit behandelt wurden. Sie zeigt auch deutlich, dass es dabei keine Ausnahmen gibt, egal wie wichtig und bedeutet der wissenschaftliche Beitrag auch sein mag.
Es gibt alleine neun Sätze bzw mathematischen Begriffe, die nach Emmy Noether benannt sind. Das Noether-Theorem hat bis heute einen maßgeblichen Einfluss auf die theoretische Physik und wird heute als ein Meilenstein betrachtet, obwohl es Jahrzehnte dauerte bis das Ausmaß seiner Bedeutung in der wissenschaftlichen Welt erkannt wurde. Heute kommt man während des Physikstudium nicht mehr daran vorbei. Was genau das Noether-Theorem besagt, könnt ihr in einem separaten, kleinen Beitrag hier nachlesen, sobald er online ist.
Außerdem gibt es neben vielen Straßen und Schulen die nach ihr benannt sind auch das Emmy Noether Programm, welches junge Wissenschaftler:innen unterstützt und sogar Bestrebungen der Studierenden Göttingens, die Universität in „Emmy-Noether-Universität“ umzubenennen. Tatsächlich wäre sie damit die dritte Hochschule und sogar die erste Universität in Deutschland, die nach einer Frau benannt ist. Es wirkt gerade erstmal so, als sei mit der Anerkennung von Emmy Noethers Leistungen alles tutti, oder? Das sah zu ihren Lebzeiten und lange danach noch sehr anders aus.
Emmy Noether wird 1882 in Erlangen geboren. Sowohl ihr Vater, als auch später ihr kleiner Bruder sind Professoren der Mathematik. In der Schul- und Studienzeit von Emmy Noether sehen wir zunächst einige Parallelen zu der Geschichte von Clara Immerwahr. Wie Immerwahr stammt auch Emmy Noether aus einer eher liberalen jüdischen Familie, in der die weiterführende Schulbildung für Mädchen selbstverständlicher war, als zB in christlichen Familien zu dieser Zeit. Da allerdings auch die höheren Töchterschulen nicht darauf ausgelegt sind, auf das Abitur vorbereiten und besonders im naturwissenschaftlich-mathematischem Bereich nur sehr oberflächlich behandelt werden, konnte sie nicht einfach ein Studium aufnehmen. Ähnlich wie auch Clara Immerwahr, wählt den Noether den einzig nötigen Umweg, der sich als Frau damals bot: Sie legt die Staatsprüfung als Lehrerin ab, ohne vorzuhaben diesen Job auszuüben. Stattdessen durfte sie sich durch diese Staatsprüfung und eine zusätzliche Sondererlaubnis, die sie uA durch die Unterstützung ihres Vaters erhielt, als Gasthörerin an der Universität Erlangen immatrikulieren. Ebenso mithilfe eine Sondererlaubnis durfte sie dann schließlich das Abitur in Nürnberg ablegen und ab 1903 ein reguläres Studium in Bayern aufnehmen. Dieses schließt sie 1907 mit einer Promotion in der Invariantentheorie ab. Es folgt eine Periode der inoffiziellen Arbeit an der Universität Erlangen, in der sie zwar alle Pflichten einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin hat, jedoch ohne jegliche Bezahlung arbeitete.

1915 wird sie von Felix Klein und David Hilbert nach Göttingen, dem damaligen Weltzentrum für Mathematik, geholt. Mit ihrer Unterstützung versucht sie schließlich dort zu habilitieren, was Frauen verboten war und sie zum ersten weiblichen Fakultätsmitglied an einer deutschen Hochschule gemacht hätte. Allein den Antrag auf Habilitation zu stellen, war mit viel Gegenwind verbunden und schlussendlich nur möglich, weil sich Klein und Hilbert für sie einsetzten. Das bestätigt, was auch viele Studien nahelegen: Diskriminierende Strukturen lassen sich nur dann verringern, wenn insbesondere die Menschen in Machtpositionen sich dieser bewusst werden und eben diese Strukturen „von oben“ abbauen [mehr dazu könnt ihr hier lesen]. In diesem Fall jedoch genügt auch die Unterstützung ihrer Kollegen nichts, der Antrag wird abgelehnt. Der eher faule Kompromiss, der geschlossen wird ist, dass Emmy Noether wieder einmal die Arbeit an der Universität aufnehmen darf, ohne jedoch für irgendetwas bezahlt zu werden. Das ist ihr vor Allem durch familiäre Unterstützung bzw eine Erbschaft möglich, sie lebt allerdings wohl in extrem sparsamen Verhältnissen. Es diese Zeit in der das berühmte Noether-Theorem entsteht und nach Ende des ersten Weltkriegs und mit Beginn der Weimarer Republik darf sie schlussendlich auch als Frau habilitieren. Sie erhält zunächst den Status einer Privatdozentin, dann wurde sie 1922 zur ersten Professorin Deutschlands. Doch selbst das brachte ihr keinerlei Bezahlung ein und sie war nicht verbeamtet. Erst 1923 bekam sie durch einen Lehrauftrag ein kleines Gehalt. Davon leben konnte sie kaum und er musste jedes Jahr neu ausgehandelt werden. Ihre Forschung zur Algebra gilt in der Mathematik als bahnbrechend und Mitbegründung einer neuen Ära, der modernen Algebra
Obwohl sie nicht verbeamtet war, wurde sie aufgrund ihres jüdischen Glaubens im Jahr 1933 zunächst beurlaubt und dann ganz ihrer Lehrbefugnis entzogen. Da jetzt selbst ihr kleines Einkommen wegfällt, zieht es sie in die USA, wo sie in Pennsylvania eine Gastprofessor antritt. Mit über 50 Jahren und fast dreißig Jahre nach ihrer Promotion ist diese Stelle die erste, deren Gehalt annähernd ihrer Qualifikation entspricht. Allerdings stirbt sie bereits kurz später 1935 an den Nachfolgenden einer Operation. Viele der oben genannten Ehrungen werden Emmy Noether erst um die Jahrtausendwende zuteil. Auch die immense Bedeutung ihrer Arbeit wird erst mit der Zeit sichtbar. Trotzdem betrachte ich persönlich den Umgang heute mit ihr als positiv. Das Unrecht, welches sie zu Lebzeiten erfahren hat, können wir nicht ungeschehen machen. Doch ich habe den Eindruck, dass ihr Werk und ihr Leben heute in der wissenschaftlichen Welt gut gewürdigt werden. Es ist allerdings umso wichtiger, aus ihrer Geschichte jetzt zu lernen und den jungen Frauen in der Wissenschaft im speziellen, sowie generell allen jungen Wissenschaftler:innen, die Unterstützung zu geben, die sie brauchen. Denn besonder für diese Unterstützung der jungen Wissenschaftler:innen hat sich Emmy Noether immer sehr stark eingesetzt.
Ich denke, dies ist ein gutes Schlusswort für den heutigen Beitrag! Ich freue mich wie immer über Kommentare/Anmerkungen/etc und möchte mich ganz herzlich bedanken, dass sich auf diesem kleinen Blog mittlerweile 20 Abonnenten eingefunden haben. Das mag für Einige keine große Zahl sein, mir bedeutet es sehr viel! 💓









