Vom 11.10.24 – 07.09.25 könnt ihr im Naturkundemuseum in Kassel eine Sonderausstellung mit dem Titel „Giganten der Urmeere“ bestaunen und in die Ozeane von vor Millionen von Jahren eintauchen. Ich habe die Austellung besucht und möchte euch davon berichten.
Möchtet ihr euch zunächst über den generellen Ablauf der Erdgeschichte informieren, könnt ihr das in Teil I und Teil II meiner zugehörigen Beiträge tun.
Zunächst gibt es einen Abriss des Lebens in den Urmeeren des Erdaltertums. Das Leben in den Ozeanen beginnt sich ab dem Kambrium so richtig zu tummeln: Trilobite, Nautilus, Anomalocaris … Sie Alle verbindet die Entwicklung von Panzern, Schalen und Skelettartigen Strukturen.
Bereits im Erdaltertum bilden sich auch viele der Tierstämme samt Unterordnungen, die noch heute bestehen.
Besonders interessant fand ich den sogenannten Panzerfisch. Als eines der ersten Wirbeltiere entwickelte er einen Kiefer, der noch sehr rudimentär aus Knochenplatten bestand aber dennoch eine immense Beißkraft aufbrachte. Die größten Panzerfischen konnten wohl bis zu 4m lang werden und regierten die Meere zu Zeiten des Devon, sie nahmen dabei den Platz in den ökologischen Nischen ein, die heute vor Allem Haie besetzen. Besonders ist, dass das von Kassel aus ums Eck gelegene Bad Wildungen zu den wichtigsten Fundorten eben jener Panzerfische in ganz Deutschland zählt.
Ebenso spannend fand ich das große Pult an dem die Entwicklung der Landmassen der Erde abgebildet ist. Wann also welcher Teil der Erde mit Wasser bedeckt ist (oder eben nicht), genauso wie sich die Landmassen beständig verschieben. Hier konnte ich einige Wissenslücken schließen. Generell gibt es an vielen Ecken interaktive Lernstationen, auch für verschiedene Altersklassen. Ich denke also, hier kommen all auf ihre Kosten!

Die Blütezeit der großen Meeressaurier war jedoch, ähnlich zu den Dinosauriern das Erdmittelalter. Zu den Meeressauriern im engeren Sinne zählen die 5 großen Gruppen der Nothosaurier, Placodontia, Ichthyosaurier, Plesiosaurier und Mosasaurier. Im weiteren Sinne werden auch die im Meer lebenden Schildkröten und Krokodile dazugezählt, im Laufe der Jahrmillionen waren diese aber, ähnlich wie heute, nicht ausschließlich Meeresbewohner. Generell gilt für alle im Meer lebenden Reptilien, dass es sich um eine sekundäre Anpassung handelt. Denn die Gruppe der Reptilien hat sich an Land entwickelt, nachdem die ersten aquatischen Lebewesen den Weg aus dem Wasser gefunden haben. Diese finden jetzt in zweiter Instanz wieder den Weg zurück ins Wasser.

Das lässt sich sehr gut an Nothosauriern, Placodontia und Plesiosaurier erkennen: Diese drei Gruppen werden auch als Flossenechsen zusammengefasst, wobei sich der Name leicht anhand der prominenten Flossen ableitet. Die Placodontia ähneln in ihrem Aussehen eher einer Mischung auf Schildkröte und Krokodil, sie sind eher bäuchig bzw platt und nur wenig agil im Wasser. Den Flossen bzw eher Beinen der Nothosaurier sieht man noch oft an, dass diese einst für das Land geschaffen waren, was die Annahme stützt dass diese eher in seichten Küstengewässern unterwegs waren und tatsächlich den ein oder anderen Landgang gemacht haben. Eine Besonderheit stellt hier die Untergruppe der Pistosaurier da, welche bereits deutlich stromlinienförmiger und bessere Flossen aufwiesen. Er wird als Übergang zwischen Nothosauriern und Plesiosauriern gehandelt, denn während sowohl die Placodontia, als auch die Nothosaurier am Ende der Trias verschwanden, so erschienen zum Übergang von Trias zu Jura erstmals Plesiosaurier auf der Bildfläche. Die „echten“ Plesiosaurier sind gut erkennbar an einem langen Schwanz und noch längerem Hals, an dessen Ende ein eher kleiner Kopf saß. Zur gleichen Gruppe gehören aber auch die Pliosaurier, welche keinen langen Hals, dafür einen wesentlich breiteren größeren Kopf besaßen. Sie werden die Weltmeere bis zum Ende der Kreide als riesige Räuber beherrschen.



Die Ichthyosaurier, auch Fischsaurier genannt, besitzen wie der Name vermuten lässt einen Körperbau der äußerlich eher den Fischen/Haien ähnelt, als seinen reptilen Verwandten. Dazu tragen zB das nach vorne spitz zulaufende Maul sowie die senkrechte Schwanzflosse bei. Sie bevölkern fast das gesamte Erdmittelalter über die Weltmeere. Besonders interessant sind ihre sehr großen und lichtempfindlichen Augen. Mit bis zu 26,4 cm sind diese die grösten aller Wirbeltiere und weisen den für Saurier und auch heutige Vögel typischen Skleralring auf. Diese harte Verknöcherung hilft zB den wechselnden Wasserdruck auszugleichen.
Die letzte große Gruppe der Meeressaurier, welche wir und heute ansehen wollen, sind die Mosasaurier. Diese gehören zu den Schuppenkriechtieren und sind somit eher mit den heutigen Schlangen bzw Waranen verwandt. Sowohl die Ichthyosaurier, als auch die Mosasaurier gelten als spannende Beispiele für die Forschung: Beide wurden im späten 18. bzw frühen 19. Jahrhundert entdeckt, also zu einer Zeit in der urzeitliche Saurier noch nicht bekannt waren. So hielt man die Knochen des Mosasauriers für die eines großen Krokodils oder Wals, die der Ichthyosaurier für große Fische. Unter Anderen diese Funde trugen zu einem Wandel in der Forschung bei, da man bis zu diesem Zeitpunkt der Meinung war, Arten könnten nicht Aussterben und es handle sich einfach um Tiere, die in den fernen und entlegenen Ecke der Welt noch nicht entdeckt worden seien. Die Paläontologie wie wir sie kennen, beginnt sich zu entwickeln. Besonders hervorzuheben ist dabei die Arbeit von Mary Anning, mit gerade 12 Jahre als erste ein vollständiges Ichthyosaurus-Skelett entdeckte und ihr Leben lang wertvolle Beiträge zur Forschung leisten wird, ohne formale Bildung und lange auch ohne jegliche Anerkennung. Ihre Geschichte erzähle ich euch beizeiten in einem eigenen Beitrag.


Unsere kleine Reise in die Zeit der Urmeere endet nun und ich hoffe ich habe eure Neugierde geweckt die Austellung im Naturkundemuseum in Kassel selbst einmal zu besuchen. Seit ich Denken kann, ist dies eines meiner liebsten Museen, mit dem ich schöne Momente meiner Kindheit verbinde und das viel dazu beigetragen hat, dass ich heute Wissenschaftlerin bin.
Welche der im Beitrag vorgestellten Tiere findest du am spannendsten? Lass es mich gerne wissen! Ich freue mich außerdem über Feedback, Likes oder ein Abo, denn all das unterstützt meine Arbeit sehr.






